Donnerstag, 3. März 2016

Zum Glück kann ich nähen

Zum Glück kann ich nähen. Klingt das arrogant? Eigentlich meine ich es eher erleichtert. Quasi als Seufzer. Etwa: „Puh... *seufz*ein Glück, dass ich nähen kann... Ich wüsste sonst wirklich nicht wie dem Nachwuchs die Klamotten passen...“ Klingt das besser? Unser Nachwuchs ist wie jeder Mensch ein wertvolles Unikat. Und wie das bei Unikaten so ist, passen sie meist in keine Schablone oder Form oder Norm oder wie man es nennen mag. Bei uns sieht es so aus: Der Nachwuchs hat die schmale Gestalt von Papa und die langen Beine von Mama geerbt. Das klingt erst einmal gut. Kann aber echt zum Problem werden. H&M schneidert z.B. sehr schmal mit langem Arm. Die gute Nachricht ist: Unser Kind passt gut hinein und kann die Kleidung lange tragen. Die schlechte Nachricht ist: nicht allen Kindern geht das so. Außerdem lassen sich diese engen Pullover sehr schlecht alleine an und ausziehen, weil man mit dem Ellenbogen nicht „um die Kurve“ kommt.
Nun ist es mal wieder soweit: der Nachwuchs macht einen Schub und *zack* sind die Ärmel und Beine zu kurz, aber in der Breite ist noch Platz. Aber der Schub in die Länge hat auch noch andere Probleme: rutschende Hosen (trotz verstellbarem Gummiband) und: das Schuhe anziehen. So weiß der Nachwuchs momentan nicht so recht wie er das Schuhe Anziehen anstellen soll. Ständig ist das Knie im Weg und stößt ins Gesicht oder an die Schulter. Wenn man das Knie weiter zur Seite dreht (quasi wie im Schneidersitz), ist der Fuß aber so verdreht, dass man den Schuh auch drehen müsste, um ihn anzuziehen. Und so sind die kleinen Wutanfälle im Alltag vorprogrammiert. Bei jedem Schuh-Wechsel. Hinzu kommt, dass neben den Beinen auch die Füße gewachsen sind und die gliebten Flummy-Lederpuschen zu klein geworden sind. Bei uns im Laden kosten die Schuhe 35€. Ein, wie ich finde, gerechtfertigter Preis für echtes Leder und einen so schönen und angenehm zu tragenden Schuh. Aber leider macht es wie bei allem eben die Summe der Dinge, die neu besorgt werden müssen. Als ich so mit meiner Schwägerin und meiner Schwiegermutter darüber sprach, erzählten sie, dass sie die Puschen von Klimperklein nähen und die sich wunderbar tragen. Nach ein wenig Recherche und Hin- und Her-Gerechne, stellte ich fest, dass es sich tatsächlich schon nach dem zweiten Paar rechnet. Wenn man Leder (Sohle, Schuh, Applikation), Schnitt, Garn, Nadeln und Porto für alles zusammen nimmt, ist es wirklich günstiger. Das liegt aber sicherlich auch daran, dass ich keinen Arbeitslohn berechne. Trotzdem begann es mir immer mehr in den Fingern zu jucken, je länger ich darüber nach dachte. Im Endeffekt hat meine Schwägerin mir die Entscheidung abgenommen. Sie hat mir Leder geschickt. Da konnte ich mich wohl schlecht rauswinden ;-)
Als das Päckchen kam, habe ich mich noch am selben Abend hingesetzt, um das Leder zu zu schneiden. Dass ich die Puschen dann fertig nähe, war eigentlich klar. Aber es hat sooo einen Spaß gemacht und ich wollte am Morgen die Augen vom Nachwuchs sehen, wenn er die Puschen sieht.
Damit der Übergang zu den neue Puschen leichter fällt (der Nachwuchs versteht nicht, dass er plötzlich manche Kleidung nicht mehr tragen „darf“, obwohl er sie mag. Aber zu klein ist eben zu klein :-) ), habe ich sie ebenfalls in grün genäht und noch eine Käferchenborte rangesetzt (um die ebenfalls geliebten, aber zu kleinen Käfer-Lauf-Socken zu ersetzen). Manchmal hat Mama die besten Ideen. Will sagen: die grünen Käfer-Puschen kamen super an und wurden mit „da sind Käfer drauf!“-Freudenschreien begrüßt.
Zum Glück kann ich nähen!





Ein besonderes Dankeschön gilt an dieser Stelle meiner Schwägerin und Schwiegermutter für das zur Verfügung gestellte Material. Ich verstehe nun, dass man vom Nähen dieser Schühchen süchtig werden kann ;-)





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